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Medal of Honor Vorschau


Vorschau auf den Ego-Shooter Medal of Honor von Electronic Arts Los Angeles und DICE.


Eigentlich erschien das Kapitel Medal of Honor (MoH) schon abgehakt, denn nach dem Release von MoH: Airborne im September 2007 wurde es still um die Shooter-Serie. Doch nun möchte der Publisher Electronic Arts der Serie mit einem neuen Titel, der schlicht Medal of Honor heißt, in diesem Herbst neues Leben einhauchen. Der zweite Weltkrieg hat als Schauplatz für MoH ausgedient, denn fortan wird an vorderster Front in Afghanistan gegen Taliban gekämpft. Der Singleplayer wird von EA Los Angeles entwickelt, während der Battlefield-Macher Digital Illusions (DICE) den Multiplayer beisteuert. Das Spiel wird nicht nur von zwei getrennten Teams entwickelt, sondern auch erstmalig zwei verschiedene Engines einsetzen. Klar ist schon jetzt, dass dieses Spiel in direkter Konkurrenz zu den kommerziell extrem erfolgreichen Titeln der Call-of-Duty-Serie stehen wird. Wir haben die Beta auf dem PC angespielt und einen ersten Eindruck vom Multiplayer des neuen Medal-of-Honor-Titels gewonnen.


Stellungskrieg in Afghanistan

In der Beta stehen zwei Spielmodi mit jeweils einer Karte zur Auswahl. Im klassischen Team-Deathmatch („Team Assault“) kämpfen die Kontrahenten im vom Krieg verwüsteten Kabul. Für jeden Abschuss sammelt das Team Punkte. Das Team, das zuerst das Punktelimit erreicht, gewinnt. Im zweiten Spielmodus, der im Spiel wenig aussagekräftig als „Combat Mission“ bezeichnet wird, versuchen die US-Ranger eine Stellung der Taliban Stück für Stück zu erobern. Um das zu erreichen muss unter anderem ein Bunker eingenommen und eine Straßensperre gesprengt werden. Im Endeffekt geht es jedoch nur darum den Gegner aus seiner Stellung zu vertreiben. Dieser Spielmodus erinnert an ein abgespecktes Battlefield: Die Ranger können einen Bradley-Schützenpanzer nutzen, das umkämpfte Areal ist weit größer als die Deathmatch-Karte aber viel kleiner als die großen Karten aus Battlefield. Wer gewinnt oder verliert entscheidet sich durch ein Ticket-System. Wenn ein Team dauerhaft zu hohe Verluste erleidet, verliert es die Schlacht. Ein neues Szenario führt also nicht zwangsläufig zu einer neuen Spielidee, den keiner der beiden Modi beinhaltet Innovationen oder frische Ideen.

Waffen- und Klassenarmut

Der Spieler kann auf beiden Seiten zwischen drei Klassen wählen: Rifleman, Special Ops und Sniper. Rifleman und Special Ops sind bezüglich der Standardausrüstung nahezu identisch. Beide tragen eine Pistole und ein Sturmgewehr. Der Rifleman kann mit dem Gewehr auch Granaten verschießen, während die Special Ops einen Raketenwerfer mit sich führen. Alle drei Klassen führen eine Explosivgranate mit sich. Die Sniper verfügen erwartungsgemäß über Pistole und Scharfschützengewehr. Zusätzlich können Sniper fernzündbare Sprengsätze einsetzen. Mit zunehmender Erfahrung werden weitere Waffen und Modifikationen freigeschaltet. Der Rifleman kann beispielsweise mit schweren Maschinengewehren ausgerüstet werden, während die Special Ops ihr Sturmgewehr gegen Schrotflinten eintauschen können. Die Gewehre können mit freischaltbarer Munition oder zum Beispiel einer Zieloptik modifiziert werden. Ob man als US-Ranger oder als Taliban in die Schlacht zieht macht sich bei der Ausrüstung nicht bemerkbar, denn diese unterscheidet sich nur optisch. Die Ranger verwenden die Standardwaffen der US-Streitkräfte (M16, M249, M4, M21), während die Taliban auf die Pendants aus russischer Produktion setzen (AK-47, AK-74u, PKM, SVD). Hier boten andere Shooter quantitativ schon deutlich mehr. Ob die fertige Version zumindest bei der Waffenauswahl mehr bietet bleibt abzuwarten. Die spielerischen Unterschiede zwischen den Klassen halten sich jedoch sehr in Grenzen. Rifleman und Sepcial Ops sind eigentlich nur zwei Seiten der gleichen Medaille.

Viel Nahkampf und viel Frust

Ob ein Shooter zwingend ein großes Waffenarsenal bieten muss bleibt Geschmacksfrage. Allerdings sollten sich verschiedene Waffen auch unterschiedlich spielen, was in der Multiplayer-Beta aktuell leider nicht der Fall ist. Die verschiedenen Sturmgewehre spielen sich, trotz der Modifikationsmöglichkeiten, immer gleich. Auch die Scharfschützen- und die schweren Maschinengewehre unterscheiden sich in ihrem Verhalten nicht stark genug von den häufig verwendeten Sturmgewehren. Die Scharfschützengewehre sind beim Schießen aus der Hüfte zwar recht ungenau, dank hoher Feuerrate aber auch im Nahkampf nützlicher als der Griff zur Pistole. Die Sturmgewehre verziehen nur geringfügig, weshalb man lieber das komplette Magazin auf einmal entleert anstatt einzelne Feuerstöße abzugeben. Körpertreffer haben übrigens nur eine geringe Wirkung. Daher muss man in MoH eigentlich in jeder Situation auf den Kopf zielen. Das Schadensmodell ist in seiner aktuellen Form schlicht unverständlich, denn man muss teilweise auf kürzeste Distanz ein halbes Magazin in den gegnerischen Körper entleeren, sofern der Kopf verfehlt wird. In der Regel erwischt es denjenigen, der zuerst vom Gegner gesehen wurde. Wer sich bewegt beißt schnell ins Gras, vor allem weil das Sprinttempo eher gering ausfällt und das Spiel insgesamt nicht so temporeich wie Modern Warfare 2 ist.

Eine der großen Schwierigkeiten in MoH ist die Ortung von Gegnern. In den meisten Fällen ist der Gegner gar nicht zu sehen. Auch nach dem Ableben wird die Position des Schützen nicht offenbart, denn in der aktuellen Version des Spiels gibt es keine Killcam, welche die Position des Schützen anzeigt. Dabei wäre gerade auf Grund des häufig unübersichtlichen Geländes die Killcam ein notwendiges Utensil. Die Entwickler sollten diese bis zur Veröffentlichung unbedingt einbauen. Allgemein ist gegnerisches Feuer schwer auszumachen, lediglich einige Partikeleffekte weisen auf die Position des Schützen hin. Wenn der Gegner Schalldämpfer verwendet bleibt auch noch das Mündungsfeuer aus. Im Kampf Mann gegen Mann nützt es wenig den Gegner nur angeschossen zu haben. Denn Gesundheit wird in MoH automatisch und binnen weniger Sekunden vollständig regeneriert. Trotz Aufklärungsdrohnen und Mörserangriffen haben Camper in MoH sehr gute Überlebenschancen. In den Ruinen kommt es häufig zum Nahkampf. Hier hilft der Griff zum Messer, denn dieses wird sehr schnell gezogen und erledigt den Gegner sofort. Oft genug sterben jedoch beide Kontrahenten im Kugelhagel. Das Kartendesign sorgt leider für wenige Gefechte auf mittlere Distanz, obwohl auf diesen eigentlich das Hauptaugenmerk liegen sollte.

Von Mörsern und Drohnen

Für jeden Abschuss erhält der Spieler zehn Punkte. Für Kopfschüsse gibt es noch fünf weitere Punkte oben drauf. Auch für Assists oder Rachekills erhält man einige Zusatzpunkte. Diese Punkte haben zwei Funktionen. Alle Punkte wandern auf ein ewiges Konto des Spielers, wo durch Erreichen bestimmter Stufen neue Waffen und Modifikationen freigeschaltet werden. In der Schlacht selbst startet der Spieler nach jedem Respawn bei 0. Beim Erreichen von 40 Punkten, wofür drei bis vier Abschüsse benötigt werden, kann der Spieler eine Aufklärungsdrohne oder einen Mörserangriff herbeirufen. Die Drohne macht kurzfristig alle Gegner auf dem Radar sichtbar, während der Mörserschlag bei der Beseitigung von Gegneransammlungen hilft. Wer 100 Punkte erreicht kann noch stärkere Unterstützungsaktionen herbeirufen. Dieses System sorgt immerhin für ein wenig Abwechslung, auch wenn selbst gutwillige Menschen anerkennen müssen, dass man hier kräftig beim Konkurrenten Call of Duty geklaut hat.

Technische Aspekte

DICE setzt erneut auf seine Frostbite-Engine, sodass sich Medal of Honor grafisch kaum von Bad Company 2 unterscheidet, welches ebenfalls auf der Frostbite-Engine basiert. Die Umgebung ist sehr detailliert und vermittelt dank bombastischer Partikeleffekte einen realistischen Eindruck. Eben jene Partikeleffekte sorgen leider in regelmäßigen Abständen für einen starken Abfall der Performance von über 55 auf unter 25 Bilder die Sekunde. Hier sollte DICE noch einige Arbeitsstunden in die Optimierung investieren. Leider lassen sich anders als in Bad Company nur einzelne Objekte zerstören, wie zum Beispiel herumliegende Holzpaletten oder einzelne Mauerstücke. Die Zerstörung ganzer Häuserwände ist nicht möglich. Der Sound ist demgegenüber eine echte Schwachstelle des Spiels. Ständig sind Schüsse und Einschläge zu hören, die jedoch nicht bei der Ortung von Gegnern helfen. Die verschiedenen Waffen klingen viel zu ähnlich und monoton. Aktuell befindet sich der Server-Browser in einem desolaten Zustand, denn er verweigert oftmals vollständig seinen Dienst und blockiert anschließend sogar die automatische Suche. Das die eigentlich erfahrenen Entwickler von DICE diesen Fehler aus der Bad Company 2 Beta nun in die MoH-Beta weitertragen irritiert. Es kommt auch zu gelegentlichen Abstürzen, die jedoch gemessen am Beta-Status nicht weiter bemerkenswert sind.


Fazit: Steinzeitshooter im modernen Gewand

Bis zur Veröffentlichung im Herbst können die Entwickler bei DICE noch viele Bugs beheben und das Balancing verbessern. An den grundsätzlichen Problemen des Multiplayers dürfte das wenig verändern. Medal of Honor spielt sich wie ein Shooter vor der Jahrtausendwende und verzichtet so ziemlich auf alle Errungenschaften, die andere Shooter seit dem eingeführt haben. Teamplay und Kommunikation sind weit unter dem Niveau von Counter-Strike, die Klassen- und Waffenvielfalt ist im Vergleich zu Team Fortress 2 schlicht erbärmlich und die Zerstörung der Umgebung ist nur im geringen Umfang möglich. In Sachen Originalität fehlt Medal of Honor ein Alleinstellungsmerkmal, wie es zum Beispiel selbst Half-Life 2: Deathmatch durch die Gravity Gun besitzt. Die Killstreaks sind direkt vom Konkurrenten Call of Duty übernommen. Insgesamt ist der Multiplayer zu eintönig und in vielen Aspekten nicht mehr als ein Modern-Warfare-Klon. Ein Plagiatsvorwurf wäre wohl gerechtfertigt, auch wenn sich Medal of Honor weniger flott spielt. Wer an Battlefield, Counter-Strike oder Team Fortress seine Freude hat, kann den Medal of Honor Multiplayer getrost ignorieren. Wer auf einen Taktik-Shooter hofft wird hier vollkommen enttäuscht werden. Wie der Singleplayer wird bleibt abzuwarten.


Dieser Artikel wurde erstmalig 2010 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti
von RedBasti

Artikelreview zum Spiel Medal of Honor aus dem Genre Shooter (Videospiele) von Entwickler EA Digital Illusions CE und herausgegeben von Electronic Arts
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