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SimCity Societies


Review bzw. Test der Städtebau-Simulation SimCity Societies.


Die SimCity-Reihe erblickte 1989 erstmals das Licht der Welt und ist auch heute noch präsent. Schritt für Schritt wurden dem Spiel weitere Features vom Entwickler Maxis hinzugefügt, sodass der vierte Teil dem Spieler unter anderem die Kontrolle über eine detaillierte Verkehrsplanung und die Verwaltung der öffentlichen Einrichtungen gewährte. 2007 erschien SimCity Societies und brach mit vielen Traditionen. Der neue Entwickler Tilted Mill reduzierte das Management der Städte auf ein Minimum und verlagert den Schwerpunkt des Spiels auf die Ausgestaltung verschiedener Gesellschaftsformen. Geht diese Rechnung auf?


Neuer Fokus: Gesellschaft und Sozialleben

In SimCity 4 musste sich der Spieler um viele Grundlagen kümmern bevor der erste Einwohner in die neu gegründete Stadt umsiedelte. Ein Kraftwerk, eine Mülldeponie, eine funktionierende Wasserversorgung, ein funktionierendes Verkehrsnetz und das eine oder andere öffentliche Gebäude waren Voraussetzungen für eine erblühende Kleinstadt. Zusätzlich konnten Steuersätze für verschiedene Einkommensschichten festgelegt und andere städtische Angelegenheiten verwaltet werden. Societies geht einen gänzlich anderen Weg und verzichtet sogar auf die seit dem ersten SimCity bekannte Ausweisung der Baugebiete. In Societies wird jedes einzelne Gebäude direkt vom Spieler aus einem umfangreichen Menü ausgewählt und errichtet. Der Spieler hat so die volle Kontrolle über das Stadtbild und kann die Stadt seinen Wünschen entsprechend formen. Viele andere Features der vorhergehenden SimCity-Spiele wurden hingegen stark zurückgefahren oder ersatzlos gestrichen. Wasserversorgung, Abfallentsorgung und Steuermanagement sind in Societies gar nicht erst enthalten, während die Stromversorgung und die Verkehrsplanung stark vereinfacht wurden. Societies konzentriert sich, der Titel lässt es erahnen, auf gesellschaftliche Aspekte und erlaubt es zum Beispiel ein kapitalistisches Paradies, eine unheimlich autoritäre Kasernenstadt oder eine kleine ländliche Gemeinde zu erschaffen.

Um dieses Konzept zu realisieren gibt es nun fünf Arten von Gebäuden, sechs verschiedene Attribute und neun verschiedene Stilrichtungen für Gebäude. Was sich zunächst relativ komplex anhört ist eigentlich sehr schnell verinnerlicht. Zunächst entscheidet sich der Spieler für eine bestimmte Stilrichtung wie zum Beispiel kapitalistisch, romantisch oder autoritär, wobei zu jeder Zeit Gebäude jeder Stilrichtung errichtet werden können. Die fünf Gebäudearten dienen zur Unterscheidung von Kraftwerken, Wohnungen, Arbeitsstätten, öffentlichen Plätzen und Freizeiteinrichtungen. Jedes der Gebäude verfügt über bestimmte Attribute aus den Bereichen Kreativität, Autorität, Wohlstand, Bildung, Spiritualität und Arbeitskraft. Viele Gebäude verbrauchen Attributspunkte, die wiederum von anderen Gebäuden generiert werden. Daher muss immer ein Überschuss vorhanden sein, da sonst neue Gebäude nicht in Betrieb genommen werden können, falls ein Mangel bei einem geforderten Attribut besteht. So generiert zum Beispiel eine Bank Wohlstand, der für luxuriöse Häuser benötigt wird. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der Anzahl an arbeitsfähigen Bewohnern (Sims) eine entsprechende Anzahl an Arbeitsplätzen und Freizeiteinrichtungen gegenüberstehen. Ohne eine ausreichende Anzahl an Freizeiteinrichtungen verschlechtert sich die Laune der Sims, was Auswirkungen auf die gesamte Stadt hat. Schlecht gelaunte Sims randalieren und legen ganze Gebäude lahm, während besonders gut gelaunte Sims in ihrer Arbeitsstätte besonders produktiv arbeiten und den Gewinn steigern. Der Spieler sollte also bei größeren Bauvorhaben zunächst die Werte der Stadt beachten und dann ein für den Augenblick nützliches Gebäude wählen.

Rush Hour in der Großstadt? Leider kein Problem!

Die Reduzierung der Transportnetzwerke auf Straßen, Landstraßen, Bus- und U-Bahn-Stationen ist natürlich ein klarer Rückschritt gegenüber dem komplexen SimCity 4, das sehr viel Wert auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Transportsystemen legte. Allerdings reicht der Bau von Straßen in den meisten Fällen vollkommen aus, denn wenn die Arbeitsplätze nicht sehr weit entfernt liegen entstehen kaum Staus auf den Straßen. Wer auch in einer von Wolkenkratzern gespickten Metropole Staus verhindern will baut einfach an jeden Straßenblock eine U-Bahn- oder Busstation. Bei der U-Bahn müssen nun nicht einmal mehr Röhren verlegt werden - die errichteten Stationen sind automatisch miteinander verbunden. Leider beseitigt Societies durch dieses viel zu einfach geratene Verkehrsmanagement auch einen großen Teil des Reizes an SimCity, da die Verhinderung von Staus auf den örtlichen Straßen nun keine Herausforderung mehr ist. In dieser Beziehung ist Societies schlicht zu simpel geraten, obwohl Verkehrsprobleme in großen Städten doch eigentlich ein gesellschaftsübergreifendes Problem sind. Liebhaber fordernder oder komplexer Spiele kommen hier nicht einmal annähernd auf ihre Kosten.

Budgetplanung? Leider kein Problem!

Ähnlich wie das Transportsystem wurde auch die gesamte Finanzplanung der Stadt vereinfacht. Konkret heißt das, dass es kaum noch Stellschrauben für die Finanzen gibt, an denen der Spieler drehen könnte. Der Unterhalt öffentlicher Einrichtungen und Straßensanierungen sind in Societies eher günstig und schnell gedeckt. Geld erhält die Stadt durch jeden Sim, der zur Arbeit geht, egal ob er in einer Fabrik, einem Büroturm oder einer Stadthalle arbeitet. Der Spieler muss sich praktisch nie Sorgen um den Finanzhaushalt seiner Stadt machen. Schon nach kurzer Zeit schwimmt der Spieler selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden im Geld. Mit dem Ausgeben kommt man ab einem gewissen Punkt nicht mehr hinterher, da die Baukosten einiger Gebäude lächerlich gering sind. Insgesamt ist der Anspruch der Finanzverwaltung in Societies gemessen an den vorhergehenden SimCity-Titeln stark reduziert worden. Ein bisschen mehr Komplexität und Herausforderung hätte sicher nicht geschadet. Auf der anderen Seite ist der Titel natürlich extrem einsteigerfreundlich geraten und erspart auch absoluten Anfängern ein häufiges Treffen mit dem Pleitegeier.

Die Sims und ihre Stadt

Doch wie sieht es mit der Umsetzung der verschiedenen Gesellschaftsformen in Societies aus? Der Spieler kann durch die Auswahl seiner Gebäude aus einer Vielzahl möglicher Gesellschaftsformen wählen oder mehrere miteinander kombinieren. Optisch funktioniert dies sehr gut, da es eine große Anzahl an Gebäuden gibt, die sich stark voneinander unterscheiden. Auch die Straßen und um die Umgebungsbeleuchtung passen sich der mehrheitlich von den Gebäuden repräsentierten Gesellschaftsform an. Leider hat die Wahl und Durchsetzung einer bestimmten Gesellschaftsform kaum Einfluss auf den Spielverlauf. Natürlich gibt es in einer tief religiösen Stadt mehr Gebäude für deren Bau ein hohes Maß an Spiritualität notwendig ist, während in einer kapitalistischen Stadt viele Gebäude ohne den generierten Wohlstand nicht funktionieren würden. Die Gesellschaftsformen unterscheiden sich durch die bevorzugten Attribute und das Stadtbild, während die Spielmechanik von der gewählten Gesellschaftsform fast unberührt bleibt. Die gewählte Gesellschaftsform hat keine nennenswerten Auswirkungen auf die Sims und ihre Stimmung, die Verwaltung der Finanzen oder die Verkehrsplanung. Der Tagesablauf der Sims ändert sich schließlich nicht, denn unabhängig von der etablierten Gesellschaft fahren sie zur Arbeit und suchen gelegentlich Kinos, Shopping-Malls oder Sportstadien auf. Der Titel Societies kann nur optisch nachempfunden werden, spielerisch hingegen nicht. Eine komplexe Gesellschaftssimulation ist Societies definitiv nicht, auch wenn es einige geringe Unterschiede gibt.

Zwei Spielmodi und ein Trophäenschrank

Bevor eine neue Stadt gegründet werden kann muss eine Landschaft durch den Generator erstellt werden. Der Spieler kann mit mehreren Reglern alle wichtigen Parameter vorgeben und erhält vom Generator anschließend eine den Vorgaben entsprechende Karte. Lobenswert ist die große Anzahl an Landschaftsformen, aus denen der Spieler wählen kann. Anschließend kann sich der Spieler für einen Sandkasten-Modus oder einen stark vereinfachten Spielmodus entscheiden, in dem praktisch alles einmal ausprobiert werden kann. Alternativ gibt es den eher realistischen Spielmodus, in dem die Einwohner der Stadt bei guter Laune gehalten werden müssen und ab und zu auch mal ein Blick auf die Finanzen geworfen werden sollte. Die Sims bei guter Laune zu halten ist übrigens nicht immer einfach aber unbedingt erforderlich, denn randalierende Sims können einzelne Gebäude blockieren und so die Grundpfeiler der Stadt zum Einsturz bringen. Leider lässt sich oftmals nur schwer nachvollziehen, warum die Stimmung der Sims so ist wie sie ist, was das Verwalten der Stadt unnötig erschwert. Als kleinen Ansporn erhält der Spieler für einige eher einfache Leistungen Pokale und Medaillen, wobei die Pokale in Form eines Denkmals in jeder Stadt aufgestellt werden können und dort für einen kleinen Bonus sorgen. Durch die Erhöhung der Einwohnerzahl und die Erfüllung weiterer Voraussetzungen werden weitere Gebäude im Baumenü freigeschaltet. Dadurch wird verhindert, dass der Spieler gleich zu Beginn des Spiels große Gebäude platzieren kann. Der Entwickler Tilted Mill hat dem Spiel durch die Patches nachträglich einige Szenarios hinzugefügt, die jedoch eher wenig interessant sind und die Freiheit des Spielers natürlich einschränken.

Grafik mit schaurigen Anforderungen

Die grafische Umsetzung von Societies kann sich durchaus sehen lassen und wartet mit guten Texturen und vielen zeitgemäßen Effekten auf. Besonders gelungen sind die Beleuchtung und der Wechsel der Tageszeiten inklusive der Wettereffekte. Ein absolutes Highlight sind die wandernden Schatten in den Morgen- und den Abendstunden. Wer jedoch alle Details ruckelfrei genießen möchte benötigt einen Highend-Rechner, da Societies ein absoluter Hardwarefresser ist, was die minimalen Hardwareanforderungen nicht erahnen lassen. Tatsächlich reicht ein Zweikern-Prozessor mit 2 GB Arbeitsspeicher und einer Geforce 8800 GTX nicht aus um eine mittelgroße Stadt ruckelfrei darzustellen. Dieser ungerechtfertigte Hardwarehunger schlägt sich auch in unserer Bewertung nieder. Wer die minimalen Hardwareanforderungen nicht deutlich überbietet darf sich auf eine effektarme und verschwommene Grafik freuen, die im schlimmsten Fall nicht einmal flüssig dargestellt werden kann. Immerhin haben die fünf veröffentlichten Patches den Hardwarehunger ein wenig reduziert, was jedoch nichts an der Tatsache ändert, dass der Entwickler Tilted Mill wesentlich mehr Zeit in die Optimierung der Engine hätte investieren müssen.

Trüber Sound

Kenner der SimCity-Reihe wissen natürlich, dass der Sound oftmals eher negativ als positiv aufgefallen ist. Societies ist in diesem Punkt keine Ausnahme und liefert eine eher mäßige und vor allem unauffällige Soundkulisse. Die Musik ist leider alles andere als variationsreich und hinterlässt keinen positiven Eindruck. Man könnte als einzige positive Eigenschaft anführen, dass sie sehr unauffällig ist und daher nicht nervt. Zusätzlich fehlt es Societies auch an satten Sounds. Ab und zu hört man ein Auto fahren oder einen Sim sprechen, was jedoch bei weitem nicht ausreicht um eine Großstadtatmosphäre zu schaffen. Musik und Sound hinterlassen einen sehr schwachen Eindruck und gehören selbst innerhalb der SimCity-Reihe im besten Fall nur zum Mittelmaß.


Fazit: Lieber ein klassisches SimCity

Societies hat viele klassische, bewährte und gute Elemente der vorhergehenden SimCity-Titel gegen neue Konzepte ausgetauscht. Leider handelt es sich um einen schlechten Tausch, da die Idee der Ausformung verschiedener Gesellschaftsformen in Societies viel zu oberflächlich ist um lieb gewonnene Elemente wie das umfangreiche Verkehrsmanagement oder die Ausweisung von Baugebieten adäquat zu ersetzen. Der Reiz von Societies liegt einzig und allein in der künstlicheren Freiheit, die dem Spieler gewährt wird. Als Simulation liegt Societies jedoch weit hinter den älteren SimCity-Titeln und kann insbesondere dem vierten SimCity nicht einmal annährend das Wasser reichen. Anhänger der alten SimCity-Titel dürften von Societies mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Glücklicherweise hat man Societies nicht „SimCity 5“ genannt, da es diesem Titel weder inhaltlich noch qualitativ gerecht werden würde. Diese Probleme hat offensichtlich auch der Entwickler Tilted Mill erkannt und daher mit den Patches diverse Verbesserungen am Spiel vorgenommen und einige Optionen ergänzt, die in der ersten Version noch vollkommen fehlten. Societies auf einem hohen Schwierigkeitsgrad zu meistern ist nun durchaus eine Herausforderung, was jedoch an der mangelnden Komplexität des Spiels nichts ändert. Das Warten auf den fünften Titel der SimCity-Reihe geht weiter. Societies konnte trotz einer zweifellos vorhandenen Einsteigerfreundlichkeit nicht überzeugen.


Bewertung

Singleplayer: 2 / 5
Multiplayer: nicht vorhanden
Grafik: 2 / 5
Sound: 1 / 5
Atmosphäre: 2 / 5
Story: nicht vorhanden
Gesamtbewertung: 2 / 5



Dieser Artikel wurde erstmalig 2009/2010 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti



Spieletest zu SimCity Societies

von RedBasti
Bewertung: 2 von 5 Sterne
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