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StarCraft 2: Wings of Liberty Vorschau


Vorschau auf das Echtzeitstrategiespiel StarCraft 2: Wings of Liberty von Blizzard Entertainment.


Die Ankündigung ist drei Jahre her, der Vorgänger erschien vor zwölf Jahren und für viele Fans dürfte die Wartezeit schon seit geraumer Zeit unerträglich sein. Doch in diesem Sommer soll StarCraft 2: Wings of Liberty, welches schon lange vor seinem Release für Superlative sorgt, endlich erscheinen. Die Erwartungen an diesen Titel sind hoch, höher als bisher bei jedem anderem Vertreter des Echtzeitstrategie-Genres. Das liegt vor allem am Entwickler Blizzard, der mit seinen Spielen immer wieder Standards definiert hat und eine riesige Fangemeinschaft über viele Jahre an seine Spiele binden kann. Die hohen Erwartungen sind jedoch auch das Resultat der Popularität des Vorgängers, der den Begriff E-Sport geprägt und Computerspiele zumindest in Korea zu einem Massenmedium gemacht hat. Doch können die hohen Erwartungen erfüllt werden? Die im Februar gestartete Multiplayer-Beta gibt erste Antworten.

StarCraft bleibt StarCraft

Am bekannten Spielprinzip des Vorgängers wird grundsätzlich festgehalten. Jeder Spieler startet mit einem Haupthaus und einigen Arbeitern, die zum Bauen von Gebäuden und dem Sammeln von Ressourcen genutzt werden. Binnen weniger Minuten werden die ersten Gebäude hochgezogen und Einheiten ausgebildet, so dass die ersten Scharmützel beginnen können. Im Spielverlauf müssen durch Expansion weitere Ressourcen erschlossen werden, denn die Startpositionen sind zwar meist gut geschützt, liefern aber nicht genügend Rohstoffe für ein längeres Spiel. Wie schon im Vorgänger kämpfen drei vollkommen verschiedene Parteien gegeneinander: Terraner, Protoss und die Zerg. Auf Unterfraktionen oder eine vierte Kriegspartei wird verzichtet. Die Terraner führen großkalibrige Waffen auf das Schlachtfeld und können sowohl offensiv wie defensiv kräftig austeilen. Die Zerg-Brut setzt weiterhin auf die schiere Masse und eignet sich besonders gut zum Überrennen von Gegnern. Die Protoss beherrschen Teleportations- und Schutzschildtechnologien und können Gegner vor allem mit ihren starken Nahkämpfern in den Wahnsinn treiben. Trotz einiger Änderungen im Detail ähnelt das zweite StarCraft sehr stark seinem Vorgänger, was sich auch daran festmachen lässt, dass viele Einheiten und Gebäude in beiden Titeln vorkommen und oftmals vergleichbare Funktionen erfüllen.

Detailänderungen mit starken Auswirkungen

Trotz der Beibehaltung alter Tugenden ist StarCraft 2 mitnichten ein grafisch runderneuertes StarCraft 1. Bei den Ressourcen hat sich die Gewichtung zwischen Mineralien und Vespingas verändert, denn vom letzterem benötigt der Spieler nun deutlich mehr für den Bau fortgeschrittener Einheiten. Die Mineralien gibt es nun in der bereits bekannten blauen Variante und in einer wertvolleren gelben Variante. Vespingas und die Mineralien sind theoretisch erschöpflich, praktisch enden die Schlachten im Multiplayer meist lange vor dem Abbau aller Ressourcen auf der Karte. Wie schon im Vorgänger kann die maximale Größe der eigenen Armee durch den Bau von Nachschubdepots (Terraner), Pylonen (Protoss) und Overlords (Zerg) erhöht werden. Der Spieler muss übrigens gegenüber StarCraft 1 mehr Zeit in das Management seiner Basis investieren, denn einige der Gebäude verfügen über hilfreiche Funktionen. Das Hauptgebäude der Protoss kann die Produktionsgeschwindigkeit von Gebäuden für kurze Zeit erhöhen, das terranische Hauptquartier kann nach einem Upgrade Radarscans durchführen, einen experimentellen Ressourcensammler rufen und die Kapazität von Nachschubdepots erhöhen. Zerg-Spieler müssen nun manuell den verseuchten Boden erweitern, um auf diesem weitere Gebäude errichten zu können.

Die Schlachtfelder in StarCraft 2 bestehen aus unterschiedlichen Höhenniveaus, die durch Klippen und Rampen voneinander abgegrenzt sind, und nur für Flugeinheiten passierbaren Bereichen. Die Höhenunterschiede sind sehr wichtig, denn Bodeneinheiten auf der unteren Ebene können keine Einheiten auf der oberen Ebene sehen – auch nicht, wenn sie von diesen beschossen werden. Durch eine geschickte Nutzung der Höhenunterschiede können gegnerische Einheiten ohne Gegenwehr zerstört werden. Dieser Umstand lässt sich jedoch nicht nur für den Angriff, sondern auch für die Flucht nutzen. Einige Bodeneinheiten können Klippen passieren und dem Gegner so in den Rücken fallen oder sich bei Gefahr schnell zurückziehen. Ein neues Feature in StarCraft 2 sind die neutralen Xel’Naga Türme. Um diese zu nutzen muss man eine Bodeneinheit am Fuße des Turms stationieren. Daraufhin gewährt der Turm dem Spieler einen großflächigen Überblick über die Umgebung. Außerdem gibt es auf den Karten Sichtbarrieren, die ohne Probleme überwunden aber nicht durchschaut werden können. Mit Hilfe solcher Barrieren kann man dem Gegner eine Falle stellen, wobei die nicht vorhandene Sicht in beide Richtungen auch dem Fallensteller unverhofft zum Verhängnis werden kann. Besonders nützlich ist es starke Einheiten hinter der Sichtbarriere zu verstecken und mit einem unsichtbaren Beobachter die umliegende Umgebung zu überwachen.

Makro- und Mikromanagement

Unter Fans gilt StarCraft 1 als ein äußerst hartes Strategiespiel, bei dem Fehler schwerer bestraft werden als bei anderen Vertretern des Genres. Diese Eigenschaft hat der zweite Teil direkt vom Vorgänger übernommen. Wenn eine Einheit auf die entsprechende Kontereinheit trifft, ist das Scharmützel sehr schnell und sehr einseitig entschieden. Daher sollte ein guter Spieler schon vor der Schlacht die Einheiten seines Gegners kennen und die entsprechenden Kontereinheiten bauen. Das Spiel wird jedoch mitnichten nur auf Grundlage der gebauten Einheiten entschieden. Die Effektivität vieler Einheiten beruht auf ihren Spezialfähigkeiten, die erst durch einen Tastendruck oder Mausklick aktiviert werden. Als Beispiel sei hier der Protektor der Protoss genannt, der durch die Erzeugung von Kraftfeldern einen engen Zugang blockieren kann und so gegnerische Einheiten auf Distanz hält. Diese und viele weitere Fähigkeiten und Spezialangriffe sorgen für eine enorme taktische Vielfalt. Obwohl die Gesamtanzahl der verschiedenen Einheiten eher gering ist, ergeben sich durch die Fähigkeiten so viele taktische Varianten, dass StarCraft 2 zu einem äußerst dynamischen Spiel wird, in dem ein gegnerischer Angriff durch gutes Mikromanagement abgewehrt werden kann. Wer bisher Strategiespiele nur mit der Maus gesteuert hat, der wird im Multiplayer nicht viel ausrichten können. StarCraft 2 setzt ein gewisses Maß an Mikromanagement voraus. Der Entwickler Blizzard muss mit StarCraft 2 einen Balanceakt vollführen, denn viele der alten Spieler fordern möglichst wenige Automatisierungen einzubauen und so dem Spieler mehr Aktionen abzuverlangen, was jedoch viele Käufer eher abschreckt. Der Einheitenbau ist ein gutes Beispiel für diese Kompromisssuche: Der Spieler kann nie mehr als fünf Einheiten in einem Gebäude in Auftrag geben (zehn Einheiten in terranischen Gebäuden mit Reaktor) und muss die für den Bau nötigen Rohstoffe vorab entrichten. Dafür lassen sich gleich mehrere Gebäude als Gruppe anwählen, so dass die Produktion mit wenig Mühe auf mehrere Gebäude verteilt werden kann. Die Anordnung der Hotkeys folgt dem Platz der Symbole in der Benutzeroberfläche. Der Vorteil ist dieser neuen Anordnung besteht darin, dass sich auch Einsteiger sehr schnell die entsprechenden Hotkeys merken können und es keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachversionen gibt. Nachteilig ist hingegen, dass alle Hotkeys auf einem engen Raum angeordnet sind und sich die Bedienung teilweise ein wenig krampfhaft gestaltet. Leider können die Hotkeys nicht frei konfiguriert werden.

Das neue Battle.net

StarCraft 2 nutzt als erstes Spiel das runderneuerte Battle.net. Dieses bietet dem Spieler nun Funktionen wie eine Freundesliste, welche die Kommunikation mit anderen Spielern erleichtert. Die neuen Features sind in der Beta zu einem Großteil deaktiviert, so dass diesbezüglich noch kein Urteil gefällt werden kann. Mit einer Revolution ist jedoch nicht zu rechnen, denn in der Praxis dürften die neuen Features vor allem an vergleichbare Online-Plattformen wie Steam erinnern. Deutlich beeindruckender ist jedoch die Gruppierung aller Spieler in verschiedene Ligen und Gruppen. Nach einigen Spielen wird der Spieler entsprechend seiner Leistung einer Liga und Gruppe zugeordnet. Dieses System funktioniert bereits sehr gut und sorgt für ausgewogene Partien. Die Automatch-Funktion findet meistens innerhalb weniger Sekunden geeignete Gegner. Die zugewiesenen Gegner spielen oftmals auf dem gleichen Niveau, so dass die Spiele im Battle.net immer angenehm fordernd sind. Außerdem verhindert dieses System das Aufeinandertreffen von Profis und Anfängern.

Fantastischer Replay-Viewer

Die Möglichkeit Aufzeichnungen von bereits gelaufenen Spielen zu sehen ist nicht neu und seit einigen Jahren Standard im Echtzeitstrategie-Genre. Trotzdem ist die Replay-Funktion von StarCraft 2 aus mehreren Gründen erwähnenswert. Die Replay-Dateien können direkt im Spiel in mehreren Ordnern organisiert werden, so dass der Spieler stets einen guten Überblick über seine Replays hat. Diese Funktion ist in der Beta jedoch noch nur teilweise aktiviert. Replays aus vorhergehenden Versionen des Spiels können übrigens problemlos gestartet werden. Bei Auswahl eines Replays, das nicht der aktuellen Spieleversion entstammt, startet StarCraft 2 automatisch in der dazugehörigen Version und spielt das Replay automatisch ab. Im Replay selbst kann der Zuschauer nicht nur die Geschwindigkeit in fünf Stufen regulieren, sondern auch zu bereits gesehenen Punkten des Replays zurückspringen. Eine besonders hektische Szene kann also problemlos mehrfach hintereinander begutachtet werden. Als besonders Schmankerl können im Replay zahlreiche Informationen abgerufen werden. Dazu gehören Statistiken zu den aktuellen Einheiten und Ressourcen, sowie ein APM-Zähler (Actions per Minute, Aktionen des Spielers in einer Minute). Wer ein Spiel bis ins kleinste Detail analysieren möchte kann dies in StarCraft 2 problemlos tun. Der Replay-Viewer von StarCraft 2 ist schon jetzt exzellent.

Technische Aspekte, Grafik und Sound

Spielabstürze? Verbindungsabbrüche? Fehlanzeige! StarCraft 2 macht auf technischer Seite bereits vor der Veröffentlichung einen sehr guten Eindruck. Die Grafik wirkt ein wenig angestaubt, was vor allem den eher schlichten Texturen und nicht sonderlich beeindruckenden Effekten geschuldet ist. Positiv zu erwähnen ist die grafische Vielfalt, denn vom tiefsten Dschungel bis zum bebauten Felsbrocken im All bietet StarCraft 2 so ziemlich jede erdenkliche Landschaft. Das Design der drei Parteien lässt keine Wünsche offen und besticht durch Individualität und Liebe zum Detail. StarCraft 2 wirkt in grafischer Hinsicht wie aus einem Guss. Es ist sicher nicht das schönste Spiel aber eines der stimmigsten. Der Sound hinterlässt noch einen etwas gemischten Eindruck. Wie schon im ersten StarCraft ist die Musik ein wenig gewöhnungsbedürftig. Außerdem sind in der deutschen Version einige terranische Einheiten besonders auffällig vertont worden. Der Fahrer des WBFs berlinert, während der Fahrer des Thor-Mechs Arnold Schwarzenegger parodiert. Das ist zwar durchaus charmant aber dennoch sicherlich nicht jedermanns Geschmack.

Da kommt was Großes

Der Multiplayer - so viel lässt sich bereits jetzt sagen - wird die Messlatte für das gesamte Genre nach oben verschieben. Die aktuelle Betaversion wirkt jetzt schon wesentlich ausgereifter als viele Titel der Konkurrenz nach Veröffentlichung, denn Bugs sind eher eine Ausnahmeerscheinung. Am Balancing der drei Parteien dürfte Blizzard bis zur Veröffentlichung noch die eine oder andere Stellschraube anziehen, obwohl es auch aktuell keine Einheit oder Strategie gibt, die einen Sieg garantiert, weshalb sich die aktuelle Beta-Version recht ausgeglichen spielt. Das neue Battle.net macht einen sehr guten Eindruck und dürfte mit seinen Features Einsteigern und Profis entgegenkommen. Vor allem die Einteilung der Spieler in verschiedene Ligen könnte fairer und deutlich motivierender als die Einstufung in eine einzige Rangliste ausfallen. Als Strategiespiel funktioniert StarCraft 2 schon jetzt ausgezeichnet. Auf der Makroebene sorgen die ausgeglichenen Einheiten für eine große strategische Vielfalt, während die Beherrschung der Mikroebene gerade bei ausgeglichenen Partien den entscheidenden Vorteil bringen kann. Über den Singleplayer können an Hand der Beta nicht einmal Vermutungen angestellt werden. Die Qualität der Kampagne und die Intelligenz der Computergegner werden wohl erst im fertigen Produkt bewertet werden können. Falls Blizzard auf der Zielgerade nicht die Puste ausgeht wird StarCraft 2 der erhoffte Hit. Für Hardcore-Strategen dürfte dieses Spiel auf Grund des Mehrspielerteils ein Pflichtkauf werden.



Dieser Artikel wurde erstmalig 2010 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti
von RedBasti

Artikelreview zum Spiel StarCraft II: Wings of Liberty aus dem Genre Strategie / Echtzeit-Strategie (Videospiele) von Entwickler Blizzard Entertainment und herausgegeben von Activision Blizzard
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