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Napoleon: Total War


Review bzw. Test des Echtzeitstrategie- und Rundenstrategiespiels Napoleon: Total War von Sega.


Am 18. Juni 1815 besiegten die Koalitionstruppen die französische Armee bei Waterloo und beendeten die französische Hegemonie in Europa. Der glorreiche Feldherr Napoleon Bonaparte wurde anschließend von den Briten auf die kleine Insel St. Helena verbannt. Dank Napoleon: Total War, dem insgesamt sechsten Titel der Total War-Reihe, kann der Spieler nun den Verlauf der Geschichte ändern und den bekanntesten Korsen entweder zum Sieg führen oder dafür sorgen, dass die Verbannung schon lange vor dem Jahr 1815 erfolgt. Ob sich der Ausflug in die Zeit der napoleonischen Kriege lohnt erfahrt ihr in unserem Review bzw. Spieletest.

Über die Spiele-Plattform Steam von Valve steht übrigens eine kostenlose Demo zum Download zur Verfügung um das Spiel selbst testen zu können.


Der allgegenwärtige Vorgänger

Napoleon erschien knapp ein Jahr nach seinem Vorgänger Empire: Total War, mit dem es nicht nur optisch viele Gemeinsamkeiten hat. Kenner von Empire bewegt natürlich vor allem eine Frage: Ist Napoleon nun zu recht ein selbstständiges Spiel oder doch nur ein teures Addon? Die Antwort: Napoleon ist sehr umfangreich und würde den Rahmen eines Addons überdehnen. Trotzdem sind die Gemeinsamkeiten mit Empire für ein selbstständiges Spiel verhältnismäßig groß. Es wäre angemessen gewesen, wenn man Käufern von Empire einen Preisnachlass gewährt hätte. Wer Empire noch nicht kennt sollte sich unser Review durchlesen, denn aufgrund der zahlreichen Gemeinsamkeiten sind Vergleiche zwischen Empire und Napoleon in diesem Artikel unvermeidbar. Viele Spielelemente, Grafiken und Sounds finden sich in beiden Spielen. Das ist auf Grund der spielerischen Qualität von Empire nicht schlecht, jedoch für ein eigenständiges Spiel ein wenig ungewohnt. Trotzdem gibt es genügend Neuerungen in Napoleon, die den bekannten Mix aus rundenbasierter Strategie und Echtzeitschlachten aufwerten. Anstatt einfach nur neue Inhalte zu erstellen hat der Entwickler Creative Assembly auch am Gameplay ein paar lose Schrauben nachgezogen.

Italien, Ägypten und am Ende ganz Europa

Das Spielprinzip der Kampagnen hat sich in seinen Grundzügen nicht verändert. Auf der Strategiekarte werden Runde für Runde unter anderem neue Gebäude errichtet, Truppen ausgehoben, Technologien erforscht, Armeen verschoben und diplomatische Verhandlungen geführt. Wenn es zu einer Schlacht kommt, so kann der Spieler ein nicht immer ganz nachvollziehbares Ergebnis automatisch generieren lassen oder seine Armee in Echtzeit selbst befehligen. In der Rolle von Napoleon Bonaparte hat der Spieler die Auswahl zwischen dem Italien-Feldzug, dem Ägypten-Feldzug und der Eroberung Europas. Wer lieber gegen Napoleon zu Felde zieht kann dies in der Kampagne der Koalition tun, in welcher der Spieler wahlweise die Kontrolle über Russland, Österreich, Preußen oder Großbritannien übernimmt. Der Italien-Feldzug dient eher als eine Einführungskampagne und ist für erfahrene Spieler auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad keine Herausforderung. Anders sieht das in Ägypten aus, denn hier plagen die Angriffe der Beduinen und die Seeherrschaft der Engländer den Spieler. Da man in Italien und Ägypten nur auf der Seite der Franzosen kämpfen kann, ist der Wiederspielwert gering. Der Europa-Feldzug eröffnet demgegenüber zahlreiche diplomatische Möglichkeiten und spielt sich je nach Startfraktion sehr unterschiedlich. In der Rolle Napoleons gilt es die Koalition der anderen Großmächte möglichst schnell zu zerschlagen, um sich anschließend einen nach dem anderen vorzunehmen. Großbritannien muss demgegenüber seine Seeherrschaft behaupten und einen Brückenkopf in Europa etablieren. Preußen kämpft vor allem mit seinen spärlichen Finanzen, die größere Truppenaushebungen unmöglich machen. Die Europa-Kampagne ist die umfangreichste und besitzt einen sehr hohen Wiederspielwert. Achtung: Dieses Spiel macht mit freien Wochenenden kurzen Prozess.

Detaillierte Kampagnenkarten und einige Neuerungen

Die große Kampagne in Empire umfasste gleich mehrere Kontinente und verlieh dem Spiel so einen globalen Maßstab. In Napoleon sind die Kampagnenkarten räumlich gesehen wesentlich kleiner, dafür aber auch viel detaillierter. Am Rand der Europakarte gibt es nun jede Menge Handelsplätze, welche die Einfuhr von Kolonialwaren ermöglichen. Wer viele Handelsschiffe auf diesen Handelsplätzen postiert und seine Handelsrouten beschützen kann, der lebt aus finanzieller Sicht sorgenfrei. Dennoch machten die Eroberungszüge auf anderen Kontinenten in Empire mehr Spaß, da diese eine längerfristige Planung erforderten. Jeder Zug in Napoleon repräsentiert zwei Wochen, was die Bewegungsgeschwindigkeit der Armeen nun sehr realistisch erscheinen lässt. Insgesamt hat der Spieler bei der Europakampagne knapp 200 Züge Zeit um sein Ziel zu erreichen. Die vier Jahreszeiten werden grafisch sehr gut wiedergegeben und haben durchaus Auswirkungen auf das spielerische Geschehen. Der Winter verursacht in alpinen Regionen und in Osteuropa starke Schneefälle und eisige Temperaturen. Armeen verlieren dadurch kontinuierlich an Kampfkraft, so dass man seine Eroberungspläne im Zweifelsfall auf den nächsten Frühling verschieben sollte. Gegen diese Auswirkungen sind nur einheimische Truppen immun, die einem als Angreifer nicht zur Verfügung stehen. Dementsprechend können nun auch virtuelle Armeen am Marsch auf Moskau mit Leichtigkeit scheitern. Ähnlich verhält es sich mit den mitten in der Wüste gelegenen Lagern der Beduinen während des Ägypten-Feldzugs. Eine weitere Neuerung gibt es bei der Verstärkung angeschlagener Truppenverbände, denn diese regenerieren sich in eigenen Regionen nun selbstständig und kostenfrei. Wie schnell sich die Truppen regenerieren hängt von der Infrastruktur der jeweiligen Region ab. Gut ausgebaute Straßen, große Farmen, Versorgungsdepots und andere Gebäude helfen dabei eine Armee schnell wieder aufzupäppeln.

Im Falle der Eroberung einer Region kann der Spieler nun zwischen drei Optionen wählen. Eine Plünderung füllt die eigene Kriegskasse, führt aber mittelfristig zu Rebellionen, die nun eine echte Bedrohung darstellen. Ebenso kann eine Region natürlich friedlich besetzt werden. In diesem Fall ist die Gefahr von Rebellionen je nach Militärpräsenz eher gering. Eine Ausnahme bilden eroberte Hauptstädte, in denen eine Rebellion gegen feindliche Besatzer fast eine ausgemachte Sache ist. Die dritte Option ist die Befreiung der betreffenden Region, was zur Gründung eines neuen Staates führt, der gleichzeitig ein Protektorat der eigenen Nation ist und Abgaben an diese zahlen muss. Das Befreien einer Region ermöglicht die sofortige Stabilisierung und schafft im Zweifelsfall eine Pufferzone zwischen dem eigenem Territorium und einem mächtigen Konkurrenten.

Kleiner Hauptdarsteller, wenig Story

Die Geschichte rund um Napoleon wird durch Videos und Sprach-Aufnahmen erzählt. Die Entwickler haben einen guten Kompromiss zwischen Gameplay und historischer Nacherzählung gefunden. Die Kampagnen können im Verlauf natürlich stark von der realen Entwicklung abweichen. Neben den Kampagnen gibt es zehn historische Land- und Seeschlachten, die immer aus der Sicht von Napoleon oder seiner Admiräle gespielt werden. Diese sind sehr gut inszeniert und im Vergleich zu den Schlachten innerhalb einer Kampagne fordernd. Die Story steht jedoch nie im Vordergrund und engt die Handlungen des Spielers nur minimal ein. Auf der anderen Seite darf man nicht erwarten über das Leben Napoleons ausführlich informiert zu werden.

Viel Diplomatie aber wenig Intelligenz auf dem Schlachtfeld

Die Diplomatie ist in Napoleon sehr umfangreich und ermöglicht es dem Spieler andere Nationen auf die eigene Seite zu ziehen. So können vor allem neutrale Mächte gegen eine kleine Zahlung dazu veranlasst werden den Handel mit einer gegnerischen Nation abzubrechen und dafür Handelsbeziehungen mit der eigenen aufzunehmen, so dass die gegnerische Kriegskasse kleiner wird. Außerdem unterstützen Alliierte den Spieler gerne im Kampf, wenn dieser im Gegenzug auch gegen die Feinde der Alliierten kämpft. Es gibt kaum etwas, dass in Napoleon nicht verhandelbar ist. Das Verhalten der Computer-Spieler im Diplomatiemenü ist stets nachvollziehbar und ermöglicht vielfältige Interaktionen, die vom simplen Tausch einiger Technologien bis hin zum Anlegen großer Bündnisse reichen können. Ohne gemeinsamen Gegner werden Bündnisse von den Computergegnern schnell für nichtig erklärt, so dass die Spannungen zwischen den verbliebenen Staaten nach der Beseitigung eines Gegners zunehmen. Zu selbstmörderischen Kriegserklärungen kommt es trotzdem nicht.

Während die künstliche Intelligenz (KI) auf dem diplomatischen Parkett eine gute Figur macht, scheinen die Befehlshaber der Computergegner ihre Ausbildung auf der Akademie frühzeitig abgebrochen zu haben. Kavallerie lässt sich oftmals regungslos aus der Distanz niederschießen, feindliche Generäle rennen lebensmüde auf die gegnerische Armee zu und die gegnerische Infanterie rennt direkt auf eine gut gesicherte Stellung zu, anstatt diese zu flankieren. Das Ergebnis sind oftmals haushohe Niederlagen für die KI. Diese Aussetzer sind nervig und machen einige der Schlachten sehr öde. Ab und zu verhält sich die KI jedoch auch recht clever und versucht einem mit der Kavallerie in den Rücken zu fallen und bricht einen Angriff sogar ab, falls der Spieler seine Truppen rechtzeitig neu positioniert. Bei den Seeschlachten macht die künstliche Intelligenz insgesamt eine leicht bessere Figur, wobei man auch hier keinen Geniestreich erwarten sollte. Die KI ist die klare Achillesferse dieses Spiels. Insgesamt haben die Schlachten jedoch deutlich gewonnen. Die Einheiten reagieren nun deutlich schneller und erlauben flottere Schlachten. Auch das übersichtlichere, wenn auch weniger hübsche, Interface hilft bei der Befehligung der Armee und Flotten. Der General ist dank der Spezialfähigkeiten, die es ermöglichen die Kampfkraft der Truppen kurzfristig zu verstärken, deutlich wertvoller geworden. Umso besser sollte man auf seinen General aufpassen und die Gegebenheiten des Geländes nutzen um einen Treffer zu verhindern. Einheiten, die hinter einer Anhöhe stehen, werden beispielsweise nur sehr selten von der Artillerie getroffen.

Feldherren treffen sich online

Im Multiplayer können Land- und Seeschlachten mit bis zu acht Spielern und Kampagnen mit zwei Spielern über das lokale Netzwerk und die Online-Plattform Steam ausgetragen werden. Außerdem können andere Spieler durch die Drop-In-Funktion den KI-Gegner in einer Schlacht innerhalb der Kampagne ersetzen, falls in etwa gleich starke Streitkräfte aufeinander treffen. Das alles funktioniert bereits recht gut, ist jedoch nicht sehr komfortabel. Vor allem die Suche nach geeigneten Spielen kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, da die automatische Suche nach Spielen oftmals im Sande verläuft. Im Vergleich zu anderen Spielen bietet das Spiel für den Multiplayer jedoch zu wenig, was vor allem daran liegt, dass sich die Einheiten der verschiedenen Nationen nicht nennenswert unterscheiden. Auch wenn es historisch korrekt ist, so ergeben sich aus leichter Infanterie, Linieninfanterie, Grenadieren, Kavallerie und Artillerie nicht sehr viele taktische Möglichkeiten. Für ein Spiel mit dem Schwerpunkt auf dem Singleplayer-Modus ist der Multiplayer durchaus gelungen – viel mehr aber auch nicht. Wer die Möglichkeit hat sollte die eine oder andere Kampagne mit Freunden über das Netzwerk spielen.

Grafik & Sound

Napoleon ist grafisch beeindruckend. Der hohe Detailgrad und die Darstellung tausender Soldaten auf einem Schlachtfeld sorgen für eine tolle Atmosphäre. Gegenüber Empire wurden vor allem die Effekte drastisch aufgebohrt. Am auffälligsten ist der starke Pulverdampf, der nun über den virtuellen Schlachtfeldern liegt. Dieser ist zwar durchaus realistisch, teilweise raubt er dem Spieler jedoch die Sicht. Zusätzlich kann das Spiel problemlos verschiedene Jahres- und Tageszeiten glaubhaft darstellen. Wenn in den Landschlachten die Kanonenkugeln vorbeizischen und Formationen durchbrechen, in den Seeschlachten Schiffe Schlagseite bekommen und die Holzsplitter fliegen, dann läuft Napoleon zur grafischen Höchstform auf und lädt den Spieler zum Zuschauen ein. Diese Pracht hat jedoch einen hohen Preis, denn wer alle Regler in den Optionen auf Anschlag drehen möchte benötigt neuere Hardware. Für absolut ruckelfreies Spielen bei maximalen Details und 1680 x 1024 Bildpunkten sollte eine Quadcore-CPU und eine Grafikkarte der ATI 5800er Serie vorhanden sein. Napoleon benutzt ausschließlich DirectX 9 zur Berechnung und profitiert daher nicht von den neuen Technologien moderner Grafikkarten. Außerdem macht sich das Spiel mit gigantischen 21 GB Installationsgröße auf der Festplatte breit. Die Grafik und die dahinterstehende Technik stellen einige Superlativen auf – positive ebenso wie negative.

Der Sound überzeugt durch wuchtige Orchestermusik und satte Bässe. Ebenfalls erwähnenswert ist die spezifische Sprachausgabe der Soldaten, die in der jeweiligen Landessprache reden. Allerdings hätten es bei der Musik ruhig einige Tracks mehr sein können, denn es dauert nicht lange, bis man die Musik auswendig kennt und mitsummen kann. Das ist dank der hohen Qualität der Musik jedoch sehr gut auszuhalten. Ärgerlich ist, dass der Sound bei den Landschlachten gelegentlich dem Spielgeschehen einige Sekunden hinterher hinkt. Trotzdem ist die Soundkulisse insgesamt fantastisch und sehr atmosphärisch.


Fazit: Sehr gut aber zu nah an Empire

Das durchdachte Spielprinzip der Total War-Reihe sorgt erneut für kurze Nächte. Die Europakampagne und die guten historischen Schlachten unterhalten Solisten für mehrere Wochen bis Monate, während der Multiplayer von der verbesserten Bedienung und den neuen 2-Spieler-Kampagnen profitiert. Es gibt jedoch zwei große Nachteile. Die KI leistet sich nach wie vor sehr viele Pannen und fällt besonders in den Schlachten eher negativ als positiv auf, so dass gerade Veteranen oftmals die Herausforderung fehlt. Außerdem spielen sich Napoleon und Empire sehr ähnlich, da sich die Truppentypen der beiden Spiele sehr stark ähneln. Daher kann man Käufern von Empire Napoleon weniger empfehlen als Spielern, die Empire nicht besitzen, aber durchaus Interesse an einem der beiden Spiele haben. Das Spiel ist in vielen Bereichen exzellent umgesetzt, aber vieles hat man genau so schon in Empire gesehen. Das macht das Spiel als solches natürlich nicht schlechter, führt aber zu einer Einschränkung bei der Kaufempfehlung. Der Entwickler Creative Assembly hat übrigens aus dem Debakel bei der Veröffentlichung von Empire gelernt, denn Napoleon läuft schon in der ersten Version recht stabil.


Bewertung

Singleplayer: 5 / 5
Multiplayer: 3 / 5
Grafik: 5 / 5
Sound: 5 / 5
Atmosphäre: 5 / 5
Story: 3 / 5
Umfang: 5 / 5
Gesamtbewertung: 5 / 5


Dieser Artikel wurde erstmalig 2009/2010 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti



Spieletest zu Napoleon: Total War

von RedBasti
Bewertung: 5 von 5 Sterne
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