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Patrizier 4


Review bzw. Test der Wirtschaftssimulation Patrizier 4.


Wirtschaftssimulationen gehören inzwischen eher zu den Exoten in der Spieleindustrie. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf diese Spiele, denn hinter eher staubig anmutenden Menüs und Grafiken verbergen sich oftmals hoch komplexe und äußerst spaßige Simulationen. 1992 feierte die Patrizier-Reihe ihr Debüt, 2000 folgte der längst überfällige Nachfolger. Der dritte Teil ist in Deutschland nie erschienen, denn das Addon zum zweiten Teil wurde international als „The Patrician III“ vermarktet, weshalb der eigentlich dritte Teil nun offiziell Patrizier 4 heißt und inzwischen den Weg in die Regale der Händler gefunden hat. Erneut betritt der Spieler die Welt der mittelalterlichen Hansestädte, in der neben lukrativen Geschäften auch lästige Piraten und andere Probleme warten. In unserem Review erfahrt ihr, welche alten Stärken Patrizier 4 spielenswert machen und welche Schwächen wir beim Test angetroffen haben.


Mit einem Schiff fängt alles an

Der Weg zum eigenen Handelsimperium ist lang. Der Spieler beginnt mit einem kleinen Schiff und wenig Bargeld. Zunächst muss das eigene Vermögen durch den günstigen Ankauf und den teuren Verkauf von Waren erhöht werden. Die Preise richten sich dabei immer nach Angebot und Nachfrage. Wenn eine Stadt eine Ware produziert und im Überschuss vorrätig hat, so ist sie billig zu haben, wird die Ware hingegen knapp, so steigt der Preis. Dabei gibt es aber auch einige Sonderfälle zu beachten. Denn wenn eine Stadt für die Produktion einer Ware einen Rohstoff benötigt, der nicht in der Stadt selbst erzeugt werden kann, so herrscht eine permanent große Nachfrage nach diesem Rohstoff. Sehr praktisch sind die automatischen Handelsrouten, die es dem Spieler mit wenigen Klicks ermöglichen seine Schiffe auf profitable Routen zu schicken. In den Handelsrouten kann der Spieler Waren vollständig automatisch handeln lassen oder die Einkaufs- und Verkaufspreise sowie die gehandelten Mengen entsprechend seinen Wünschen anpassen. Schon wenig später reicht das Geld für ein zweites Schiff. Einsteiger werden übrigens durch mehrere Videos Schritt für Schritt mit dem Spiel vertraut gemacht. Das Spiel ist geteilt in Freies Spiel und die Kampagne, wobei die Kampagne im Endeffekt nicht mehr als ein Tutorial darstellt.

Das bloße Ein- und Verkaufen von Waren macht in Patrizier 4 vermögend, jedoch nicht reich. Die Gewinnspanne ist nämlich eher gering und vor allem fällt es schwer wirklich große Mengen einer nachgefragten Ware einzukaufen. Da hilft nur eine tadellos funktionierende Eigenproduktion. Nach und nach siedelt sich der Spieler in immer mehr Städten der Hanse an und kann dort Betriebe und Wohnhäuser errichten. In den Betrieben werden günstige Waren produziert, während den eigenen Arbeitern in den Wohnhäusern gleich wieder ein Teil ihres Einkommens abgenommen wird. Die Produktion der hochprofitablen Fertigwaren ist jedoch nicht einfach, denn dafür müssen verschiedene Waren zwischen mehreren Städten verschoben werden. Ein Beispiel: In Aalborg soll Fleisch produziert werden. Dafür muss Salz zur Verfügung stehen, welches aus Hamburg geliefert wird. Die Salzsieder in Hamburg benötigen jedoch Holz, welches erst aus einer dritten Stadt beschafft werden muss. Die Anlegung solcher Produktionsketten ist herausfordernd und spaßig und wird im Falle des Erfolgs mit unverschämt niedrigen Unkosten für die eigenen Waren belohnt. Die selbst produzierten Waren sind so günstig, dass man mit ihnen einen drastischen Preiskampf führen kann und trotzdem noch reichlich Gewinn erwirtschaftet. Richtig lukrativ sind Expeditionen ins Mittelmeer, denn hier wird der eigene Konvoi zum Spottpreis mit chronisch knappen Gewürzen und anderen Waren beladen.

In der Spielwelt gibt es mehrere Ereignisse, von denen der Spieler profitieren kann. So steigt bei Ausbruch einer Seuche die Nachfrage nach Tuch und Kleidung. Auch Rattenplagen, die zum Verlust eingelagerter Nahrung in der betroffenen Stadt führen, sind für Nahrungsproduzenten ein wahrer Segen. Was dem Einen nutzt, kann dem Anderen jedoch auch schaden. So blockiert das Zufrieren eines Hafens jeglichen Handel mit der betreffenden Stadt. Das ist ärgerlich, wenn man selbst auf Waren aus dieser Stadt angewiesen ist. Gleichzeitig lohnt es sich jedoch die Stadt nach der Befreiung des Hafens vom Eis mit Waren zu beliefern, denn diese sind in der Stadt verbraucht und entsprechend gefragt. Hungersnöte kann der Spieler übrigens selbst verursachen, in dem er in einer Stadt einfach alle Nahrungsmittel aufkauft.

Es folgt die Politik

Bevor der Spieler in weitere Städte expandieren kann, muss er sich dort einen Namen machen. Das geht durch den Verkauf knapper Waren relativ schnell. Anschließend kann der Spieler durch die Beschäftigung der meisten Arbeiter innerhalb einer Stadt das höchste Ansehen gewinnen und sich zum Bürgermeister wählen lassen. Als solcher kann der Spieler über den weiteren Ausbau der Stadt entscheiden und zwischen der eigenen und der Stadtkasse hin- und herwirtschaften. Als hanseweit beliebtester Händler winkt die Wahl zum Eldermann der Hanse. Was jedoch verführerisch klingt, verkommt zur langweiligen Klickarbeit. Als Eldermann kann man wenig entscheiden, sondern lediglich zwischen zwei Optionen wählen. Wenn zum Beispiel die Nachfrage einer Ware zu hoch wird, kann der Spieler als Eldermann entweder alle Produzenten informieren oder einen Auftrag für die Errichtung weiterer Betriebe ausschreiben lassen. Oftmals gibt es jedoch nur eine mögliche Option, so dass man sich als Spieler unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt mit einem Sachverhalt beschäftigen sollte, wenn man dazu eh keine Entscheidung treffen kann. Leider trifft in Sachen Hanse nicht das Prinzip der Waren zu, denn während alle Waren in Patrizier 4 produziert und auch verbraucht werden, bekommt die Hanse ihr Geld für die Ausschreibung von Aufträgen und die Zahlung von Belohnungen für die Vernichtung von Piraten offenbar aus heiterem Himmel. Die ganzen politischen Optionen sind eine nette Dreingabe, beeinflussen das Spiel jedoch nicht stark genug.

Störtebeker lässt grüßen

Dem friedlichen Handel stellen sich im Spielverlauf immer mehr Piraten entgegen. In Patrizier 4 tauchen mehrere Piraten gleichzeitig auf, die in regelmäßigen Abständen weitere Schiffe erhalten und so die Anzahl ihrer Konvois erhöhen können. Nach einiger Zeit wird das Versteck eines Piraten gefunden und später ein Auftrag zur Ausräucherung des Piratennests von der Hanse ausgeschrieben. Wenn der Spieler erst einmal über mehrere starke Kampfschiffe verfügt sind die Piraten höchstens nervig, jedoch nicht gefährlich. Vorher stellen sie jedoch eine ernste Gefahr dar, denn die Piraten nehmen den Handelsschiffen immer wieder ihre gesamte Ladung ab. Ärgerlich: Wenn ein auf einer automatischen Route fahrender Konvoi in ein Gefecht mit Piraten verwickelt wird, so wird der Spieler nur über einen wenig aussagekräftigen Knall im Sound darüber informiert. Weitere Informationen gibt es nicht, was vor allem für Anfänger eindeutig zu wenige Informationen sind. Kurios: Nach einigen Spieljahren gab es in der Spielwelt viele Piraten mit mehreren Konvois, von denen sich jedoch keiner blicken ließ.

Öde Seeschlachten

Nahezu zwangsläufig kommt es irgendwann zur Begegnung mit Piraten und damit zur ersten Seeschlacht. In einem Übersichtsfenster wird der Spieler über die Stärke der aufeinandertreffenden Flotten informiert und kann dann entscheiden, ob er seine Schiffe selbst kommandiert oder ein Ergebnis berechnen lässt. Während der Seeschlacht kann der Spieler immer nur eines seiner Schiffe steuern, die nicht angewählten Schiffe steuert die KI. Dem angewählten Schiff kann der Spieler eine Fahrtrichtung vorgeben und zwischen drei Munitionsarten wählen. Schrotmunition dezimiert die gegnerische Besatzung und sorgt für längere Nachladezeiten bei den Kanonen, Kettengeschosse zerstören die Segel und die Standard-Kugeln durchlöchern den Rumpf. Anders formuliert: Eine 1:1 Kopie der Munitionsauswahl aus Empire: Total War. Ansonsten gibt es keine weiteren Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Spielen. In Patrizier 4 ist das Verhalten der eigenen Schiffe nicht nachvollziehbar, denn diese fahren oftmals trotz voller Bewaffnung und Einsatzbereitschaft einfach nur so weit wie möglich vom Gegner weg, sobald man sie nicht mehr angewählt hat. Zu den unverständlichen Problemen bei der Steuerung der eigenen Schiffe gesellen sich die dröge Grafik und das unübersichtliche Interface. Nach spätestens ein bis zwei Seeschlachten werden die meisten Spieler nur noch auf den Button für ein automatisches Schlachtenergebnis drücken. Umständlich: Die Kampfschiffe innerhalb eines Konvois müssen vom Spieler als solche markiert werden. Das Programm wertet nämlich auch voll bewaffnete Schiffe als Handelsschiffe, wenn diese nicht ausdrücklich als Kampfschiff deklariert wurden.

KI im Tiefschlaf

In jeder der acht Regionen in Patrizier 4 ist ein gegnerischer Händler heimisch. Diese verfügen schon zu Spielbeginn über viele Schiffe, Wohnhäuser und Betriebe, sind dem Spieler also deutlich überlegen. Trotzdem muss man auch auf den höheren Schwierigkeitsgraden keine Angst vor diesen Gegnern haben, denn sie tun sehr wenig um ihre eigenen Interessen zu schützen. Die KI-Gegner expandieren nicht in Städte außerhalb ihrer Region, so dass sie gar nicht in der Lage sind einen Großteil an Waren in Eigenregie herzustellen. Oft genug müssen die KI-Gegner die Rohstoffe einkaufen, da sie diese selbst nicht herstellen. Daher ist die Produktion der KI-Gegner immer angreifbar und vor allem teurer als eine vollständige Eigenproduktion der Rohstoffe und der Fertigwaren. Die KI-Gegner werden einem zu keinem Zeitpunkt gefährlich. Sie überschwemmen den Markt nicht mit ihren Waren um den Preis niedrig zu halten und sie verknappen auch keine Rohstoffe. Auch die vom Spieler nicht abgedeckten Bereiche des Hansehandels bleiben von der KI unberücksichtigt. Wenn zum Beispiel in fast allen nördlichen Städten eine Knappheit an Getreide herrscht, baut die KI trotzdem keine Getreidefarmen, obwohl der Verkauf von Getreide in diesem Fall höchst profitabel ist. Daher ist es für den Spieler ein leichtes seine Handelsrouten profitable zu betreiben und so nach einigen Spieljahren mehrfacher Millionär zu werden.

Ein Schiff hat einen Bug, ein Patrizier hat viele Bugs

In unserer Testversion, die identisch mit der im Laden erhältlichen Version ist, befanden sich zahlreiche Bugs, die das Spielvergnügen stark eingeschränkt haben. So ist zum Beispiel das Scrollen auf dem Bildschirm mit der Maus nur eingeschränkt möglich, so dass man um die Verwendung der Pfeiltasten oder der Tasten W, A, S und D nicht herumkommt. Besonders ärgerlich sind jedoch falsche Informationen innerhalb der Spielwelt. Der Handel zwischen Städten und Konvois kann zum Beispiel direkt nach dem Einlaufen des Konvois beginnen. Wer jedoch den Konvoi reparieren möchte, der muss noch einen weiteren Tag warten, denn erst dann wird der Konvoi von der Werft als im Hafen anwesend erkannt. Ähnlich ist es mit dem Logbuch, das den Spieler über Probleme in verschiedenen Städten informiert. Teilweise werden dort Probleme, wie zum Beispiel entstehende Lagerhauskosten, angezeigt, die tatsächlich nicht mehr vorhanden sind. Offenbar werden innerhalb der Spielwelt zu wenig Abfragen durchgeführt, weshalb der Spieler falsche Informationen erhält und viele Aktionen quasi doppelt ausführen muss. Die Statistiken über den Besitz des Spielers sind ebenfalls fehlerhaft und stellen daher keine Hilfe bei der Verwaltung des eigenen Handelsimperiums dar. Die Krönung der Ansammlung an offensichtlichen Fehlern waren selten auftretende Bluescreens.

Einen Tag nach Veröffentlichung wurde über den zum Spiel dazugehörigen Update-Client der erste Patch verteilt. Dieser brachte stolze 200MB auf die Waage und erweiterte das Spiel unter anderem um weitere Grafiken und Features. Auch einige Fehler sollten beseitigt werden. Tatsächlich führte der Patch zu extremen Instabilitäten und Inkompatibilitäten bei den Spielständen. So dauerte es auch keine 24 Stunden bis der Patch offiziell zurückgezogen wurde. Der Publisher Kalypso betonte, dass es sich bei diesem Patch jedoch nicht um eine Ansammlung von Inhalten handelt, die es nicht mehr in das Hauptprogramm geschafft hätten. Man wolle auch in Zukunft in unregelmäßigen Abständen weitere Content-Patches veröffentlichen. Der Schluss liegt nahe, dass Kalypso mit diesen Patches, die nur in Verbindung mit einem Benutzerkonto über den beiliegenden Client gezogen werden können, versucht illegale Kopien einzudämmen. Unabhängig von den Motiven des Entwicklers und des Publishers bleibt leider festzuhalten, dass das Spiel unfertig erschienen ist und der erste Patch die vorhandenen Probleme um weitere ergänzte.

Grafik & Sound

Die Grafik in Patrizier 4 hinkt hinter dem Spitzenreiter Anno 1404 weit hinterher, ist jedoch für eine reine Wirtschaftssimulation durchaus ansehnlich. Die Texturen sind größtenteils matschig und die Modelle polygonarm. Auch die verschiedenen Häuser und Bäume weisen keine Abwechslungen auf, weshalb ein recht eintöniger Eindruck entsteht. Dafür werden die verschiedenen Jahreszeiten und Ereignisse grafisch dargestellt. Die Unterschiede zwischen Sommer und Winter sind unübersehbar und tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Der Sound ist eher zweckmäßig. Einige Sounds lassen Rückschlüsse auf die Ereignisse in der Spielwelt zu, während in den Städten ein wenig Musik aus dem Lautsprecher klingt. Diese Musik ist durchaus passend aber wenig variantenreich und vor allem nicht erinnerungswürdig.


Fazit: Verpasste Chance

Das Wirtschaftssystem in Patrizier 4 ist wie schon im Vorgänger sehr gut gelungen und motiviert den Spieler für viele Stunden. Der gut funktionierenden Kernkomponente des Spiels stehen jedoch sehr viele Baustellen gegenüber. Die Bedienung ist teilweise fummelig, die Bugs unübersehbar und nervig, die politischen Möglichkeiten als Eldermann verkommen zu einem langweiligem Durchklicken und die Seeschlachten sind eine einzige Katastrophe. In seiner aktuellen Verfassung kann man dieses Spiel nur denjenigen empfehlen, die einen der Vorgänger oder ein vergleichbares Spiel kennen und schätzen gelernt haben. Es bleibt abzuwarten wie viele Versäumnisse in den nächsten Wochen und Monaten durch Patches ausgeräumt werden können. Leider sind auch die Unterschiede zu dem Vorgänger zu gering, um den Verkauf als Vollpreistitel wirklich rechtfertigen zu können.


Bewertung

Singleplayer: 2 / 5
Multiplayer: nicht vorhanden
Grafik: 2 / 5
Sound: 2 / 5
Atmosphäre: 3 / 5
Story: nicht vorhanden
Umfang: 3 / 5
Gesamtbewertung: 2 / 5


Dieser Artikel wurde erstmalig 2009/2010 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti



Spieletest zu Patrizier 4

von RedBasti
Bewertung: 2 von 5 Sterne
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