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Call of Duty: Modern Warfare 2 Vorschau


Vorschau auf den Ego-Shooter Call of Duty: Modern Warfare 2 von Infinity Ward.


Die Erwartungen an Call of Duty: Modern Warfare 2 waren immens, ebenso die Anzahl der Vorbesteller und Käufer in den ersten Wochen. Aber kann der Shooter der Superlative auch inhaltlich überzeugen? In unserem First Look werfen wir einen kritischen Blick auf die Singleplayer-Kampagne und berichten welchen Eindruck die Schlachten rund um den Globus hinterlassen haben.


Opulente Inszenierung

Schon in den ersten Spielminuten wird klar, dass es der Entwickler Infinity Ward ordentlich krachen lässt. Viele Missionen spielen vor dem Hintergrund einer großen Materialschlacht, in denen in bester Hollywood-Manier eine Explosion die andere jagt und ständig neue Befehle und Hinweise durch die Gegend gebrüllt werden. Die zahlreichen geskripteten Ereignisse fallen besonders spektakulär aus und erzeugen für kurze Zeit eine besonders dichte Atmosphäre. Demgegenüber erfordern einige Passagen das lautlose Ausschalten von Gegnern und umsichtiges Vorgehen, um einer Entdeckung zu entgehen. Der in Modern Warfare 2 dargestellte Konflikt ist globaler Natur und führt den Spieler in der Rolle verschiedener Protagonisten dementsprechend an viele verschiedene Schauplätze, wie zum Beispiel Washington D.C., Afghanistan, Moskau oder Rio de Janeiro. In Sachen Inszenierung und Abwechslungsreichtum muss sich Modern Warfare 2 wahrlich nicht verstecken. Im Verlauf der Kampagne steuert der Spieler unter anderem Predator-Drohnen, stapft durch tiefen Schnee, kämpft in Elendsvierteln gegen Milizen und nimmt am Krieg gegen den Terror in Afghanistan teil.


Ein klassischer Shooter

In seinem Kern ist auch der sechste Ableger der Call of Duty Reihe ein klassischer Shooter, so dass die Eingewöhnungsphase für den Spieler sehr kurz ausfällt. Die Steuerung reagiert präzise und umfasst nur wenige Tasten. Wenn für missionsrelevante Aktionen eine bestimmte Taste betätigt werden muss, so wird dies dem Spieler mitgeteilt. Ein Blick in das Setup ist daher unnötig. Die Kampagne ist strikt linear aufgebaut und bietet dem Spieler de facto keinen Spielraum. Die Schießeisen umfassen vor allem repräsentative Modelle der amerikanischen und russischen Streitkräfte und können vom Spieler während der Mission gegen fallen gelassene Waffen gewechselt werden. Das Verhalten der Waffen ist recht realistisch, denn zwischen gezielten vereinzelten Feuerstößen und Streufeuer aus der Hüfte liegen bezüglich der Treffsicherheit ganze Welten. Wer die recht kurze Kampagne durchgespielt hat kann sich in zahlreichen Minimissionen austoben und in diesen versuchen einige Parcours zu absolvieren. Je nach Schwierigkeitsgrad oder benötigter Zeit wird der Spieler mit mehreren Sternen belohnt, mit denen sich weitere dieser „Special-Ops“ Missionen freischalten lassen. Immerhin verlängern diese Missionen den Spielspaß für Solisten ein wenig aber es handelt sich dennoch nur um Beiwerk, dass die Kürze der Kampagne nicht kompensieren kann.

Von Irrungen und Wirrungen: Die Story

Im Rahmen der Handlung von Modern Warfare 2 richten russische Nationalisten ein Massaker unter Zivilisten am Moskauer Flughafen an. Diese Tat wird den USA in die Schuhe geschoben und so zum Auslöser eines Krieges zwischen Russland und den USA. Diese Geschichte wird vom Spiel, obwohl sie zahlreiche Akteure, Schauplätze und Wandlungen umfasst, nur in kurzen Videos zwischen den Missionen vorangetrieben. Als Resultat bleiben viele offene Fragen bis zum Schluss unbeantwortet. Viel schwerer wiegt jedoch, dass einige der Zusammenhänge keinen Sinn ergeben und keines Falls realistisch erscheinen. Von fünf Tätern des eben erwähnten Massakers wird nur einer tot aufgefunden, während die anderen vier entkommen. Bei diesem Toten handelt es sich um einen Undercover-Agenten der CIA, der in dieses Terror-Kommando eingeschleust und kurz vor der Flucht von dessen Anführer erschossen wurde. Anstatt sich zu fragen, warum dieser Mann von seinen Mittätern erschossen wurde, stürzt sich die russische Regierung aus puren Rachegelüsten in den dritten Weltkrieg. Noch unglaubwürdiger erscheint es, dass russische Truppen ohne Vorwarnung die gesamte Ostküste der USA überschwemmen. Die Story hat zahlreiche solcher Schwachpunkte und hält keiner kritischen Betrachtung stand. Der fragwürdige Hintergrund und dessen magere Ausgestaltung passen nicht zur durchaus realistischen Darstellung des Spiels und verhindern den Aufbau einer durchgehend dichten oder gar glaubwürdigen Atmosphäre. Europa oder China kommen in der Handlung erst gar nicht vor.

Zwischen Realismus und Popcorn-Kino

Modern Warfare 2 schwankt in seiner Darstellung zwischen Realismus und reichlich überdrehten Fahrzeugszenen. Diese Schwäche ist der Call of Duty Reihe an sich nicht fremd aber in Modern Warfare 2 ist sie besonders ausgeprägt. Die schonungslose Gewaltdarstellung und das in Szene setzen real existierender Waffensysteme lassen das Spiel für ein Computerspiel verhältnismäßig realitätsnah erscheinen. Demgegenüber stehen wilde Verfolgungsjagden auf Schneemobilen oder Schlauchbooten, bei denen bei einer gefühlten Geschwindigkeit von 200 km/h Feinde problemlos durch einen simplen Feuerstoß ausgeschaltet werden. Dieser extreme Kontrast wirkt sich negativ auf das Spielerlebnis aus, da dieser Titel weder als seriöser Militär-Shooter wie Operation Flashpoint: Dragon Rising noch als extrem fiktives Machwerk wie etwa Half-Life durchgeht. Der Entwickler bedient unfreiwillig beide Sparten, obwohl dem Spiel deutlich anzumerken ist, dass es möglichst realitätsnahe daher kommen möchte. Zu diesem Eindruck führt vor allem die detaillierte Einbeziehung der Umgebung in das Kampfgeschehen. So sind Autos und Holzwände nur eine geringfügig geeignete Deckung, da Holzwände nicht kugelsicher sind und Autos unter Beschuss explodieren können. Eine sichere Deckung ist in diesem Spiel viel wert und ermöglicht auch das leichte Ausschalten größerer Gegneransammlungen.

Menschlichkeit beim Start der .exe ausschalten

In Deutschland ist Modern Warfare 2 ab 18 Jahren freigegeben, was angesichts der expliziten Darstellungen auch vollkommen berechtigt ist. Wie schon im ersten Modern Warfare wird der Spieler in einigen Schlüsselszenen von der Kontrolle der Spielfigur entbunden, um so besonders drastische Ereignisse zu illustrieren. Diese Schockmomente treten in Modern Warfare 2 vermehrt auf, was ihnen ihre Exklusivität nimmt und damit ihre eigentlich erwünschte schockierende Wirkung einschränkt. Innerhalb der Geschichte werden zahlreiche kontroverse Entscheidungen getroffen, die der Spieler jedoch nicht beeinflussen kann. Besonders ärgerlich ist dieses Vorgehen bei der Flughafen-Mission, bei welcher der Spieler das Massaker nicht verhindern kann und sich höchstens dafür entscheiden kann nicht auf die Zivilisten zu schießen. In der deutschen Version führt das Schießen auf Zivilisten übrigens zum Spielabbruch, was jedoch nichts daran ändert, dass der Spieler dieser Szene machtlos beiwohnen muss. Die Entwickler hätten hier durch alternative Handlungsverläufe deutlich mehr aus dem Spiel herausholen können und nicht zuletzt auch der fragwürdigen Flughafen-Szene einen Sinn geben können.

Grafik & Sound auf hohem Niveau

Die technische Umsetzung des dritten Weltkrieges lässt keine Wünsche offen. Die Grafik überzeugt sowohl bei Innen-, als auch bei Außenarealen durch detaillierte Umgebungen. Besonders überzeugend sind die zahlreichen Licht- und Raucheffekte, sowie die gelungenen Animationen. Luftangriffe können ebenso wie der Start eines Kommandos unter Wasser mühelos dargestellt werden, wobei die Grafik trotz hoher Flexibilität und Qualität dennoch keine neuen Maßstäbe setzt. Die brachialen Sounds und die stimmige Musik tragen zur Atmosphäre des Spiels bei und sind durchgehend überzeugend. Einzig die Sounds der Pistolen enttäuschen ein wenig. Insgesamt sind einige Szenen nur bedingt von aufwändigen Kinofilmen zu unterscheiden.


Fazit: Erinnerungswürdig aber nicht gut

Trotz der zahlreichen Kritikpunkte handelt es sich nicht um ein schlechtes Spiel, denn die Singleplayer-Kampagne ist sehr abwechslungsreich und fantastisch inszeniert. Die gesamte Kampagne steht jedoch auf wackligen Beinen und wird durch die unlogische und obendrein schlecht dargestellte Geschichte deutlich abgewertet. Die kurze Spieldauer, die je nach Spieler und Schwierigkeitsgrad zwischen drei und neun Stunden liegen dürfte, ist ein weiterer Minuspunkt. Auf Grund der berechtigten Kontroverse um die Flughafen-Szene und anderen blutigen Szenen wird dieser Titel aber definitiv vielen Spielern in Erinnerung bleiben. Der Entwickler Infinity Ward hat sich bedauerlicherweise dazu verleiten lassen provokante Szenen einzusetzen ohne diese in eine glaubhafte Geschichte einzubetten oder einzuordnen. Der kalkulierte Tabubruch ist bei Modern Warfare 2 fester Bestandteil, der jedoch fern ab der medialen Aufmerksamkeit keinen tieferen Sinn offenbart. Modern Warfare 2 ist ein streitbares aber stellenweise schlicht fantastisches und atemberaubendes Spiel.


Bewertung

Singleplayer: 3 / 5
Multiplayer: nicht vorhanden
Grafik: 5 / 5
Sound: 5 / 5
Atmosphäre: 4 / 5
Story: 1 / 5
Gesamtbewertung: 3 / 5


Dieser Artikel wurde erstmalig 2009 auf dem inzwischen eingestellten Projekt Gamer-Oase.de veröffentlicht.

Autor: RedBasti
von RedBasti
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